Sollten Sie unter Diabetes mellitus leiden, ist für Sie die richtige Fußpflege von äußerst großer Bedeutung.

Die wichtigste Vorraussetzung für eine Diagnose von Fußschäden ist das Schmerzempfinden, das aber beim langjährigen Diabetiker infolge der Erkrankung der sensiblen Nerven (Neuropathie) fehlen oder stark herabgesetzt sein kann. Es kommt dadurch zu Folgeschäden an den Füßen: vermindertes Schmerz-, Druck- und Temperaturempfinden, dies lässt schädigenden Stimuli (Einflüssen) oder Traumen (Verletzungen) freien Raum. Durch eine Störung der motorischen Nerven kommt es zu einer gestörten Biomechanik („Bewegungsablauf“), es kommt zur Verkümmerung der Fußmuskulatur, zum Absinken der Fußgewölbe, zu Fußfehlstellungen. Eine Störung der autonomen Nerven führt zu trockener, rissiger Haut, vermehrter Bildung von Schwielen und Clavi (Hühneraugen). Weiters kann es bei Diabetikern zur diabetischen Angiopathie (Zirkulationsstörungen) kommen, dies führt dann zur peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK). Aus diesen Gründen besteht ein erhöhtes Verletzungs-, Infektions- und Gangränrisiko. Aus banalen Traumen (Verletzungen) können tief greifende, progrediente Nekrosen (fortschreitender Gewebstod) entstehen.

Die rechtzeitige Erkennung und Vorsorge kann Sie vor der Entwicklung des „diabetischen Fußsyndroms“ schützen.

Erkennen des Risikos:

Wie kann ich feststellen, ob eine Nervenschädigung (Neuropathie -neuropathischer Fuß) vorliegt:

Brennender Schmerz in der Fußsohle, einschießende, stechende Schmerzen

Verlust der Sensibilität für verschiedene Sinnesqualitäten (Berührung, Temperatur)

Fehl-, Missempfindungen (kalt statt warm), eventuell nachts verstärkt

Schmerzen in Ruhestellung, Taubheitsgefühl der Füße, lokale Ödeme

Schon einmal schmerzlose Verletzung gehabt (schmerzlose Läsion)

Neuropathische Fußdeformation (z.B. Charcot – Fraktur)

Ärztliche Diagnose

Wie kann ich feststellen, ob eine Durchblutungsstörung (periphere arterielle Verschlusskrankheit – ischämischer Fuß) vorliegt:

Rot- und Blaufärbung der Haut

Kalte Füße (auch in warmen Räumen)

Schmerzen bei Belastung (eingeschränkte Gehstrecke) oder auch Ruheschmerz

Fußpulse schlecht oder nicht tastbar

Verzögerte Wundheilung

Ärztliche Diagnose

Etwa 40 % der Patienten mit diabetischem Fußsyndrom sind vorwiegend von Neuropathien betroffen, 20 % von Angiopathien, bzw. Ischämie, und 40 % sind Mischformen.

Weitere Risikofaktoren:

Diabetesdauer, schlechte Diabeteseinstellung, erhöhter Blutdruck, erhöhte Blutfette, Nikotin, Bewegungsmangel, regelmäßiger Alkoholkonsum.

Beachten Sie daher folgende Ratschläge:

Kontrollieren Sie Ihre Füße bei guten Lichtverhältnissen täglich!

Ist Ihnen das nur schwer möglich, benutzen Sie einen Spiegel oder bitten Sie jemanden um Hilfe.

Achten Sie auf:


Kleine Verletzungen, Abschürfungen, Druckstellen, Hautveränderungen, Insektenstiche, Blasen usw.

Selbst kleinste Verletzungen, die keine Beschwerden verursachen, sollten Sie nicht als harmlos abtun.

Eine vorhandene Wunde muss desinfiziert werden z.B. mit Octenisept® (keine aggressiven Mittel). Hernach mit steriler Gaze abdecken. Warten Sie nicht solange, bis sich die Wunde entzündet hat, sondern gehen Sie gleich zum Arzt. – Keine feuchten Verbände oder Umschläge, Salbenverbände nur auf Anordnung des Arztes! – Blasen nicht öffnen, sondern austrocknen lassen!

Um Verletzungen überhaupt zu vermeiden beachten Sie bitte:

Gehen Sie niemals barfuß, weder in der Wohnung (Brotkrumen, Glasscherben), im Garten (kleine Äste), am Strand (Sand, Steinchen) noch in Hallenbädern oder Hotelzimmern (Gefahr einer Pilzinfektion).

Schützen Sie sich vor Sonnenbrand!

Achtung in der Sauna (Verbrennungsgefahr)!

Behandeln Sie Druckstellen (starke Schwielen, Hühneraugen) nicht selbst!

Verwenden Sie auf keinen Fall Hühneraugenpflaster oder –tinkturen oder aggressive Salben gegen Hornhaut. Es handelt sich dabei um scharfätzende Mittel, die die Haut verletzen und zu offenen Stellen führen können. Verwenden Sie niemals spitze, scharfe oder schneidende Instrumente (Verletzungsgefahr)!

Achten Sie auf das richtige Schuhwerk:

Tragen Sie nur fußgerechtes Schuhwerk.

Wenn Sie noch keine diabetischen Folgeschäden (Polyneuropathie, PAVK, Fußdeformitäten) entwickelt haben, können Sie ganz normale Konfektionsschuhe tragen. Diese sollten keine Druckstellen verursachen (breit, bequem, weich, hohe Schuhkappe, Weichbettung, keine hohen Absätze, rutschfeste Sohle). Ober- und Untermaterial sollten aus Leder sein, Schuhe aus Kunststoff begünstigen Schweißfüße, Stauungen und Zirkulationsstörungen der Füße. Neue Schuhe sollten nur stundenweise (2 bis 4 Stunden täglich) eingelaufen werden, bis sie sich der Fußform angepasst haben. Kaufen Sie Schuhe nur am späten Nachmittag, die Füße sind dann meist etwas dicker.

Sollten Sie unter Fußdeformitäten wie Spreiz-, Senk-, Hohl-, Knickfuß, Hammerzehen, Reiterzehen, Hallux valgus und ähnlichem leiden, besprechen Sie sich mit Ihrem Orthopäden! Diabetiker leiden häufiger unter Fußfehlstellungen. Daher wäre es überhaupt wichtig, sich über die persönliche Situation informieren zu lassen.

Es ist äußerst wichtig, dass Sie bei Fußdeformitäten eine optimale Schuhversorgung erhalten (Einlagen, Schuhzurichtungen, eventuell orthopädische Schuhe), und tragen Sie diese Behelfe unbedingt wie verordnet!

Bei der Fertigung derselben sind hohe Maßstäbe anzusetzen. Bei schlechter Passform kann das schwerwiegende Folgen für den Diabetiker nach sich ziehen. Schuhe und orthopädische Einlagen müssen unbedingt miteinander harmonisieren.

Tasten Sie regelmäßig Ihre Schuhe von innen mit der Hand nach Unebenheiten ab. Die Sohle muss innen glatt sein, es sollten sich keine Nähte innen am Schuh befinden. Die Ferse muss durch eine gut sitzende Schuhkappe gehalten werden, damit beim Abrollen der Fuß nicht rutscht. Schnürhalbschuhe sind vorteilhaft, da der Fuß völlig umschlossen wird und guter Halt gewährleistet ist.

Jeden Tag die Strümpfe wechseln, auf dicke Nähte achten (auch dicke Nähte können Druckstellen verursachen). Für Diabetiker gibt es spezielle Socken ohne Nähte beim Bandagisten.

Geklebte Druckschutzbehelfe (Schaumgummiringe usw.) sind beim Diabetiker problematisch, der Klebstoff marzeriert (erweicht) die Haut.
Sie sollten nur nach Absprache mit dem Arzt oder dem Podologen (Fußpfleger) verwendet werden.

Richtige Fußpflege

Legen Sie größten Wert auf peinliche Sauberkeit und auf regelmäßige Pflege der Haut!

Die Füße sollten täglich mit lauwarmem Wasser gewaschen werden. Prüfen Sie die Temperatur (höchstens 37 Grad) mit dem Ellenbogen, besser noch mit einem Thermometer, da das Gefühl der Füße für Wärme beim Diabetiker gestört sein kann. Überwärmungen können dadurch nicht erkannt werden, es besteht die Gefahr von Verbrennungen. Verwenden Sie aus diesem Grund auch keine Wärmflaschen oder elektrische Heizdecken. Sollten Sie zu kalten Füßen neigen, tragen Sie lieber Bettsocken, nehmen Sie ein Fußbad oder wärmen Sie das Bett vor dem Schlafengehen vor.

Zu langes Baden in heißem Wasser kann zu Hautschäden führen (höchstens 3 bis 5 Minuten). Verwenden Sie rückfettende Seifen. (ph-neutral ist hier nicht ideal, diese Seifen trocknen die Haut zu stark aus).

Verwenden Sie keine Bürsten oder Massagehandschuhe und vermeiden Sie alles, was eine Hautreizung hervorrufen kann. Durch Reizung der Haut kann es zu einer Gewebsschädigung kommen.

Trocknen Sie Ihre Füße nach dem Bad sehr sorgfältig ab, besonders die Zehenzwischenräume. Tun Sie sich schwer mit Bücken, verwenden Sie einen Fön (Stufe kalt). Sollte die Haut zwischen den Zehen gerötet sein, sich schuppen und Juckreiz auftreten, kann es sich um eine Pilzinfektion handeln, unbedingt einen Arzt konsultieren! Auch Warzen dürfen nur vom Arzt behandelt werden!

Da die Haut des Diabetikers meist sehr trocken und sklerotisch ist, also ihre Elastizität verloren hat, ist sie extrem verletzlich. Verwenden Sie daher täglich eine auf Ihren Hauttyp abgestimmte Fußcreme, um Abschuppung, Risse und daraus resultierende Infektionen zu vermeiden. Zehenzwischenräume aussparen.

Übernehmen Sie nur dann die folgenden Fußpflegemaßnahmen selbst, wenn Sie gut sehen und gut beweglich sind. Andernfalls gehen Sie bitte zum geschulten Podologen (Fußpfleger) oder bitten Sie einen Angehörigen, Ihre Füße zu pflegen.

Übermäßige Hornhaut (Hyperkeratose) kann nach einem Fußbad vorsichtig mit einem Bimsstein entfernt werden. Feilen (niemals schneiden) Sie Ihre Nägel immer nur gerade, die Ecken können Sie vorsichtig abrunden (auch davor ein Fußbad). Beachten Sie, durch zu lange Nägel können Sie sich leicht verletzen (Nachbarzehe). Die Nägel sollten aber auch nicht zu kurz gefeilt werden, damit die Zehenkuppe geschützt ist. Bohren Sie nicht im Nagelfalz herum! Denken Sie immer an die Verletzungsgefahr! Niemals scharfe Gegenstände wie Rasierklingen, spitze Scheren, Nagelclips, Hornhauthobel usw. verwenden.

Es gilt der Grundsatz "weniger ist mehr"!

Nehmen Sie bei Bedarf professionelle Hilfe in Anspruch.


Eingewachsene und verdickte Nägel müssen vom Podologen (Fußpfleger) behandelt werden.

Sollten Sie gewisse Fußschäden an sich entdecken (starke Schwielen, Hühneraugen, Nagelanomalien wie verdickte oder eingewachsene Nägel, Fersenrisse, sonstige Hautschäden), suchen Sie bitte einen Podologen (Fußpfleger) auf!

Dieser wird Sie gerne ausführlich beraten und Ihre Fußprobleme fachgerecht – auch in Zusammenarbeit mit Ihrem Arzt – behandeln.

Melden Sie sich vor jeder Fußpflege als Diabetiker. Informieren Sie Ihren Podologen (Fußpfleger) über bereits bestehende Neuropathien,
bzw. Durchblutungsstörungen. – Sie sind Problempatient!

Gehen Sie regelmäßig zur Fußpflege! Die Häufigkeit ist abhängig von Ihren Problemen.

Seien Sie nicht leichtsinnig! Vernachlässigen Sie auf keinen Fall Ihre Füße! Bei Problemen oder Unklarheiten reagieren Sie sofort, jede Verzögerung verlängert den Heilungsprozess. Eine Behandlung etwaiger Fußkomplikationen ist umso wirksamer, je schneller damit begonnen wird. Eine ärztliche Fußkontrolle sollte routinemäßig einmal jährlich durchgeführt werden.

Denn jede "Kleinigkeit" kann für Sie als Diabetiker schwerwiegende Folgen haben (Gangrän, Amputation).

Sie sind jedoch in der Lage durch Beobachtung, Sorgfalt und Vorsicht – in Zusammenarbeit mit Arzt, Podologen (Fußpfleger) und Orthopädieschuhmacher – solch verhängnisvolle Folgen zu verhindern.

Die angeführten Maßnahmen zur Pflege des diabetischen Fußes sind natürlich nur ein Teilaspekt, um Spätschäden des Diabetes mellitus hintanzuhalten. Die optimale Einstellung des Diabetes, gezielte Ernährungsumstellung, Nikotin- und Alkoholabstinenz, vermehrte Bewegung usw. sind Grundvoraussetzungen.

Scheuen Sie sich nicht, jederzeit Rat und Hilfe bei Ihrem Arzt, an der Klinik für Innere Medizin (Stoffwechselambulanz, Fußambulanz), beim Diätologen, bei der Österr. Diabetiker-Vereinigung, beim Podologen (Fußpfleger) usw. einzuholen.



Ein Erfolg, der viel Freude bereitet hat - unserer Patientin und auch uns


Patientin
langjährige Diabetikerin mit
Neuropathien und Angiopathien,

Druckulcus Zehe 2 apex hat sich chronisch manifestiert und
besteht laut Aussage der Patientin seit 2 Jahren
Zustand
nach subtilem Dèbridement
(Entfernen von dicken, festhaftenden nekrotischen Auflagerungen) sowie Kürzen des verdickten mykotischen Nagels
deutlich sichtbar der tiefe Wundgrund.
Zustand nach Behandlung
über 8 Wochen mit Hydrosorb (hydrozellulärer Gelverband) semiokklusiv, wöchentliche Kontrolle.

Das Ulcus hat sich geschlossen
Eine in Aussicht gestellte Amputation konnte vermieden werden.