Wie kommt es überhaupt zu einem eingewachsenen Nagel siehe Link: Die Ätiologie des Unguis incarnatus

Zur Behandlung des "echt" eingewachsenen Nagels (Unguis incarnatus) stehen im Prinzip drei verschiedene Möglichkeiten
zur Verfügung:


Welche Methode bei Ihnen zum bestmöglichen Ergebnis führt, muss von Fall zu Fall geklärt werden, jede Art der Behandlung hat
Vor- und Nachteile! Nur eine ursachenorientierte Therapie kann zum gewünschten Erfolg führen.

Die schnellste Methode – das Entfernen des störenden, schmerzhaften Nagelteils mit anschließender Tamponierung des Nagelfalzes:
Eine regelmäßige Behandlung in Zeitabständen von 4 bis 6 Wochen ist erforderlich, um eine Beschwerdefreiheit zu erlangen.
Dabei wird nur das Symptom nicht aber die Ursache behandelt.

Der schmerzhafte Nagelteil ist entfernt.

Es dauert mehrere Wochen,
bis er wieder Probleme bereitet.


Die schonendste aber aufwändigste Methode - die Korrektur der Nagelplatte in ihrer Wachstumsrichtung mittels verschiedener Spangentechniken:

Der Grundgedanke ist bei allen Methoden gleich, mittels sanfter Korrekturkräfte über einen längeren Zeitraum von ca. 7 bis 10 Monaten
den Nagel wieder zu normalisieren.Diese Art der Behandlung erfordert naturgemäß viel Geduld.
Der Lohn dafür ist aber eine vollständige Restitutio ad integrum mit intakter Nagelplatte.

Es gibt verschiedene Spangentechniken:

Seit 1962 hat sich die bilaterale Nagelkorrekturspange nach Fraser etabliert. Diese funktioniert ähnlich einer Zahnspange.
Es wurden und werden noch immer Versuche unternommen, diese doch sehr aufwändige Technik zu vereinfachen. Als Beispiele sind hier die Plastikspange nach Stolz, die Plastikspange nach Erki, die Federspange nach Gorkiewitz anzuführen.
Nach meiner Erfahrung (sie reicht bis ins Jahr 1986 zurück - Ausbildung in München) können all diese Techniken die von mir in sie gesetzten Erwartungen leider nicht erfüllen.

Daher beschränkten wir uns bis jetzt auf die Fertigung der bilateralen Nagelkorrekturspange nach Fraser
und in speziellen Fällen der VHO Spange
.
Eine neue Nagelkorrekturspange am Markt ist die 3TO-COMBIped®, die wir Ihnen am Ende vorstellen möchten.

Bilaterale Nagelkorrekturspange nach Fraser

Nach Setzen der Spange ist der Patient beschwerdefrei.

Nach genau durchgeführter Anamnese und Ausschließen eventueller Kontraindikationen wird vom Nagel ein Abdruck genommen, nach diesem ein Gipsmodell gefertigt und am Gipsmodell eine Spange aus Edelstahl geformt.

Die Spange muss ca. alle 4 - 6 Wochen von uns nachgesetzt werden, das bedeutet, die Spannung wird korrigiert und angepasst
(Behandlungsdauer ca. 9 bis 12 Monate).

Nagelkorrekturspange nach VHO-Osthold

Dreiteilige vorgefertigte Spange
ein Gipsabdruck ist nicht erforderlich



Eine Alternative zur Nagelkorrekturspange nach Fraser. Einfacher und kostengünstiger. Behandlungsdauer je nach Schweregrad
auch bis zu 9 Monaten.

Beide Techniken zur Korrektur des eingewachsenen Zehennagels (Unguis incarnatus) sind voll anerkannt und werden in Deutschland von Krankenkassen sogar vollständig übernommen.

In Österreich ist es ab Oktober 2015 möglich, bei der TGKK einen Zuschuss in der Höhe von € 41,30 zu beantragen.

siehe Link:
Kassenleistung

Nagelkorrekturspange 3TO-COMBIped®
Sie eignet sich vor allem zur Korrektur
bei einseitig eingewachsenen Nägeln

Ähnlich wie bei Zahnspangen wird ein Bracket auf den Nagel geklebt und die Spange einseitig eingesetzt.
Von den vorgestellten 3 Spangentechniken ist diese die kostengünstigste und einfachste Methode, geeignet für leichte Fälle.


Der letzte Ausweg:


Wenn alle konservativen Möglichkeiten fehlschlagen, gibt es noch die Operation (Nicoladoni, Emmert'sche Resektion), um zu versuchen das Problem zu lösen. Dabei wird unter Lokalanästhesie nicht nur der störende Nagelteil entfernt, der Chirurg extensiert auch den entsprechenden Teil der Nagelmatrix (Nagelwurzel). Somit wächst der Nagel in diesem Bereich nicht mehr nach. Leider ist dieser Eingriff schmerzhaft und Rezidive (das Nachwachsen von Nagelspitzen) sind nicht auszuschließen.
Als Alternative hat sich vor allem im amerikanischen Raum die Phenol Kauterisierung etabliert. Dieser Eingriff ist etwas schonender, aber wird unseren Informationen zufolge in Europa selten durchgeführt.

Die Fotos zur Operation stammen (mit freundlicher Erlaubnis) aus dem "Lehrbuch und Bildatlas für die Podologie"
von Dr. Norbert Scholz

Die Operation ist in gewissen Fällen unumgänglich, aber wie bei jedem Eingriff kann es zu postoperativen Komplikationen
oder Rezidiven kommen.


Bei diesem Eingriff sieht man deutlich als Ergebnis einen stark verschmälerten Nagel. Die Nagelmatrix wurde nur unvollständig exzidiert, dadurch wächst seitlich im medialen Nagelfalz wieder ein Nagel nach.
Das gleiche Problem bei einem anderen Patienten.
Links (im medialen Nagelfalz) wächst wieder ein Nagel nach und bereitet Beschwerden.
Wir mussten den Nagelsplitter entfernen. Sie sehen den entfernten Nagelsplitter links oben


Noch ein Tipp zum Schluss:

In manchen populärwissenschaftlichen Magazinen und von einigen Ärzten wird noch die Totalresektion der gesamten Nagelplatte empfohlen. Es handelt sich hierbei um einen längst überholten Therapieansatz, der völlig am Problem vorbeigeht. Bei dieser Art der Operation wächst der Nagel im besten Fall wieder so nach wie vor der OP und damit wieder ein. Sehr häufig kommt es aber im Nagelbett zu Traumen und in Folge zu Vernarbungen, die dazu führen, dass die Nagelplatte völlig deformiert. Sollte man Ihnen dazu raten, suchen Sie das Weite und holen Sie eine zweite Meinung ein.