Verrucae – Warzen

Bei Warzen am Fuß kommt es selbst durch Profis immer wieder zu Verwechslungen. Ein Hühnerauge (Clavus) kann, bei oberflächlicher Betrachtung einer Warze (Verruca) täuschend ähnlich sehen, umgekehrt genauso. Man muss aber genau unterscheiden, denn Ursache und Behandlung sind grundverschieden.

Warzen werden durch eine Virusinfektion ausgelöst. Warzenviren sind Humane Papillom Viren (HPV), von denen es über 75 Typen gibt. Von der mikrobiologischen Einteilung her enthalten sie nur DNS.

Infektion
Die Infektion durch Warzenviren erfolgt in der Regel im Direktkontakt, jedoch auch auf dem Umweg über Boden, Schuhe etc. Die Inkubationszeit, das heißt, die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der ersten Krankheitszeichen, beträgt Wochen bis Monate. Die Erkrankung kann Wochen bis Jahre dauern, wobei man immer wieder feststellt, dass es zu so genannten Spontanregressionen (Abheilungen) kommt. Die Ursache dafür ist nicht nur allein das therapeutische Angehen der Warzen, sondern wahrscheinlich immunologischer Natur, was manche Heilerfolge suggeriert. Der Grund für Aberglauben und Quacksalberei rund um die Behandlung von Warzen. Man hat nachgewiesen, dass auch nach Verschwinden einer Warze an deren ursprünglicher Position noch DNS in einem Abstand von ein bis zwei Zentimeter vorhanden ist. Diese Viruspersistenz ist offenbar der Grund, dass bei schlechter Immunlage Warzen immer wieder auftreten können. Man schätzt, dass wegen dieser nicht sichtbaren, inapparenten Infektionen die Durchseuchung der Bevölkerung größer ist als ursprünglich angenommen.

Erregertypen
Die Definition der Warzen als gutartige, infektiöse, generell nicht entartende Neubildungen der Haut wird den genauen Vorgängen in der Haut nicht gerecht. Erregerbedingt finden wir vom Aussehen her einige Unterschiede.

Gemeinsam ist jedoch die Hyperplasie mit starker Verhornung der Oberfläche. Wir finden im Wesentlichen fünf klinische Erscheinungsformen.

Verruca vulgaris (Erregertypen 1, 2 und 4) Verruca plantaris (Myremezien = Erregertyp 1, und Mosaikform = Erregertypen 2, 4) Verruca plana juveniles (Erregertyp 3, 10) Verrucosis generalisata (Erregertyp 5) Condyloma acuminatum (Erregertypen 6, 11, 16, 18).

Histologie
In einer Warze kommt es grob gesehen zu einer Hyperplasie (Vergrößerung) der Papillen (Papillomatose) und Verdickung der Epidermis (Akanthose) einschließlich Hyperkeratose.

Warzen sind, von einigen Typenunterschieden abgesehen, fein geweblich charakterisiert durch:

Verbreiterung der Epidermis (Akanthose) Lang ausgezogene Papillen (Papillomatose) Vacuolisierte (ballonartig veränderte) Zellen im Stratum spinosum und granulosum mit Kerneinschlusskörpern Hyperkeratose, zum Teil auch Parakeratosekegel Rauchfahnenartige Einschlüsse von Blutungsresten Ausbildung von keilförmigen Epithelzotten in die Papillarschicht

Erscheinungsformen der Warzen

Gewöhnliche Warze (Verruca vulgaris)
Die gewöhnliche Warze ist die häufigste Form der Warzen. Sie tritt vorwiegend im Erwachsenenalter auf und zwar an den Händen, weniger oft auf Fuß- und Zehenrückenseite. Es handelt sich dabei um erbs- bis bohnengroße, hautfarbene Knötchen mit zerklüfteter grau-gelblicher, selten brauner Oberfläche, hervorgerufen durch Hyperkeratose. Gelegentlich kommt es zur Streuung von Tochterwarzen in die Umgebung, auch zum Auftreten von großen Formationen mit plattenartiger Aussaat. In der Podologie (Fußpflege) stellt die gewöhnliche Warze dann ein Problem dar, wenn sie im Bereich der Nagelmatrix (Nagelwurzel) auftritt. Sie ist dort therapeutisch schlecht anzugehen und kann bei Befall der Matrixregion zu schweren Nagelveränderungen (Onychodystrophie) führen.

Sohlenwarze (Verruca plantaris)
Die Verruca plantaris ähnelt histologisch der Verruca vulgaris. Die Plantarwarze liegt allerdings mehr im Niveau der Haut und hat eine erheblich dickere Hornschicht (Stratum corneum). Plantarwarzen sind besonders ansteckend, die gefährlichsten Ansteckungsquellen sind Stellen, an denen die Menschen barfuss laufen.

Wir unterscheiden zwei grundlegende Formen:

Die oberflächliche Beetwarze (Mosaikwarze)
Die oberflächliche Form der Plantarwarzen, die sowohl solitär, bevorzugt aber in einer mosaikartigen Konfiguration auftritt, ist eigentlich leicht erkennbar. Man findet bei der Mosaikform verschiedene Zentren nebeneinander, die durch den ständigen Druck beim Gehen und Stehen auf der Sohle in die Haut eingedrückt werden.

oberflächliche Beetwarze (Mosaikwarze)
auf der Fußsohle (plantar)
gewöhnliche Warze (Verruca vulgaris)
auf der Zehenkuppe (apex)

Histologie
Die Mosaikwarze zeigt den typischen Warzenaufbau: Akanthose, Papillomatose, Hyper-keratose mit ausgedehnter Parakeratose, vacuolisierte Ballonzellen im oberen Stratum spinosum sowie ausgeprägte Zelleinschlüsse unterhalb des Stratum corneum. Plantarwarzen vom Mosaiktyp sind in der Regel kaum schmerzhaft. Sie breiten sich jedoch sehr gerne schnell aus und neigen zu Rezidiven (Wiedererkrankung).

Die tief greifende Dornwarze (Myremezien Warze)
Der Myremezientyp der Plantarwarzen ist punktuell sehr schmerzhaft, tritt oft nur als Einzeleffloreszenz auf. Rezidive nach Ausheilung sind selten. Sie wird ebenfalls durch den beständigen Druck unter das Hautniveau gedrückt und macht sich durch ihre Ausdehnung in die Tiefe als schmerzhafter, meist einzelstehender Warzendorn bemerkbar. Der Rand des Warzendornes ist an der Hautoberfläche von einer Hyperkeratose begleitet (Randwall). Der Druck auf das oft mit dunklen Punkten versehene Zentrum ist schmerzhaft. Die dunklen Punkte sind keine Warzendentriten oder ähnliches, sondern Reste abgelaufener und umgebauter mikroskopisch feiner Blutungen aus den Papillen. Die Ausdehnung der Dornwarze wird oft kaschiert durch den ringförmigen Hyperkeratosewall, der eine Schwiele oder ein Hühnerauge vortäuschen kann.

Histologie
Die Dornwarzen unterscheiden sich von den übrigen flacheren Typen durch die lang ausgezogenen Papillen und den schlotförmigen Parakeratosekegel, die durchsetzt sind von rauchfahnenähnlichen Verfärbungen (Blutungsresten).
Eine spezielle Variante der Dornwarzen sind Riesenwarzen, die vorzugsweise im Bereich der Ferse und dort am seitlichen Rand auftreten.

Subunguale (unter der Nagelplatte) Warzen
Diese Warzenform wird zu den Dornwarzen gerechnet, da sie sich ebenfalls unter Druck ausbreiten, sehr schmerzhaft sind und letztendlich den Nagel ablösen können. Sie werden nicht selten verwechselt mit einem subungualen Hühnerauge.

Jugendwarzen (Verruca plana juveniles)
Diese Warzen kommen eigentlich nur bei Kindern und Jugendlichen vor. Sie sind klein, kaum über die Hautoberfläche erhaben, meist weniger als 1 Millimeter große, vorspringende, rund-liche oder unregelmäßig begrenzte hautfarbene Gebilde. Sie treten in der Regel gehäuft auf und haben ihren Sitz vorwiegend im Gesicht, auf dem Handrücken, nur selten im Bereich des Fußes oder der Fußsohle. Sie sind sehr infektiös, können durch Kratzen auf der Haut strich-förmig ausgesät werden, neigen aber zum spontanen Verschwinden.

Histologie
Die Haut ist im Sinne einer Akanthose (Epidermisverbreiterung) verändert. Eine Papillomatose wie bei den anderen Warzen findet sich bei der Verruca plana juveniles in der Regel nicht. In der Lederhaut fehlen entzündliche Infiltrate. Wie die übrigen flachen (planen) Warzen können auch juvenile Warzen im Stratum basale erhebliche Pigmentanhäufungen (Melanin) enthalten.

Auf die Formen

Verrucosis generalisata
Condyloma acuminatum

soll an dieser Stelle nicht näher eingegangen werden, sie spielen in unserem Arbeitsgebiet praktisch keine Rolle.

Therapie der Warzen
Die Therapie der Warzen ist ein Spezialgebiet der Dermatologie, wobei die Arbeit des Podologen (Fußpflegers) speziell bei den Plantarwarzen die ärztliche Therapie ergänzt.

Behandlungsgrundzüge der Warzentherapie sind unter dem Gesichtspunkt einer vorübergehenden Infektionskrankheit durchzuführen, wobei immer mit einem spontanen Abfall der Warzen gerechnet werden kann.

Ein sinnvolles Vorgehen richtet sich vor allem nach den Bedürfnissen des Patienten. Bei den Fußwarzen stehen zumeist Schmerzen, weniger oft kosmetische Ansprüche im Vordergrund. Die speziellen Maßnahmen sind auch abhängig von der Art der Warzen und deren Lage. Der Erfolg ist zum großen Teil von der Mitarbeit (Compliance) des Patienten abhängig.

Vor die Behandlung haben die Götter die Diagnose gestellt.

Also zuerst zum Hautarzt oder Podologen. Sollte sich der Verdacht auf eine Infektion mit Warzenviren erhärten, wird der Hautarzt in der Regel eine Behandlung mit flüssigem Stickstoff einleiten. Handelt es sich jedoch um einen Clavus (Hühnerauge), wird der Podologe (Fußpfleger) diesen entfernen. Sie müssen sich bewusst sein, dass für die erfolgreiche Behandlung von Warzen Geduld oberstes Gebot ist. Vor Selbstbehandlung rate ich dringend ab. Sie kostet nur Zeit, Geld und führt bei Warzen am Fuß sehr selten zum Erfolg.